{gehört} Seconds Out

Die LP ist schon sehr stark mitgenommen, aber der Klang ist immer noch einmalig

Es gibt kaum eine Band die so unterschiedliche Phasen hatte wie die englische Band Genesis: Vom epischen „Progressive Rock“ der frühen Tage über die „New Wave“-Phase in den frühen 80er bis hin zum Mainstreampop der 90er Jahre. Das Album „Seconds Out“ markiert den Übergang zwischen der „Progessive Rock“ und „New Wave“-Phase, welcher nicht zuletzt mit dem Abschied des klassisch ausgebildeten Gitarristen Steve Hackett zusammen hing.

Das Doppelalbum wurde im Juni 1977 in Paris aufgenommen und am 21. Oktober 1977 veröffentlicht, die auf dem Album vertretenden Song stammen unter anderem vom 1976 erschienen Studioalbum „A Trick of the Tail“, der größte Teil aber stammt aus der Peter Gabriel-Ära. Gabriel, der die Band 1975 verlassen hatte, war bekannt für seine aufwändigen Kostümierungen, die die Konzertbühne mehr in eine Theaterbühne verwandelten und auch die Ankündigungen der Songs waren in der Gabriel-Ära mehr im Theater- als im Rockbereich anzusiedeln. Mit Phil Collins als Lead-Sänger änderte sich dieses grundlegend: Aus dem Musiktheater wurde eine Rockshow und genau dieses manifestiert sich auf diesem Live-Album.

Ich habe dieses Album bestimmt zehn Jahre nicht mehr gehört, und ich muss sagen, das ich ziemlich überrascht war, nicht zuletzt von der unglaublichen Tonqualität der Aufnahme. Mit der Ausnahme von Mike Oldfield‘s „Exposed“ habe ich selten eine so gute Aufnahme aus den späten 1970er Jahren gehört. Alle Instrumente sind klar zu hören und individuell wahrnehmbar. Die Stereo-Abmischung schafft eine große Transparenz, das Publikum ist während der Songs subtil im Hintergrund, und zwischen den Songs durch die Rufe nach weiteren Songs sehr präsent. Die Darbietung der Songs ist nahe an den Studioversionen, haben aber alle Charakteristika einer guten Liveperformance. Beispielsweise bei „Firth of Fifth“ einem Song vom 1973 Album „Selling England by the Pound“: Diese Live-Version übertrifft die Studioversion, sowie alle vorherigen und späteren Live-Versionen in Spannung, Dichte und Atmosphäre. Die Soli werden druckvoll gespielt, das Keyboard-Outro klingt fast zerbrechlich. Hier stimmt einfach alles, nur ein Bespiel warum „Seconds Out“ für mich im umfangreichen Genesis-Katalog eine Sonderstellung einnimmt.

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