„Bitte beachten Sie, dass einige der in der Ausstellung gezeigten Kunstwerke Ihre Wert- oder Moralvorstellungen verletzen können.“ Die Messlatte wird am Eingang schon sehr hochgelegt: Die Welt und das was wir uns darunter vorstellen, soll wohl in Frage gestellt werden und auch der Kölner Express – nicht gerade das Sprachorgan der Kunstwelt – warnt vor der „Porno-Ausstellung“ die da im Keller des Max-Ernst-Museums zu Brühl Einzug gehalten hatte.
Wie schon gesagt: Die Messlatte lag hoch, doch die erwartete Erschütterung des Weltbildes wollte sich dann doch nicht einstellen: Aber der Reihe nach. Vom 22. November 2009 bis zum 21. März 2010 findet im Brühler Max-Ernst-Museum die Ausstellung „ Dark Splendor“, in der Installationen, Photographien, Gemälde und Filme des amerikanischen Regisseurs David Lynch gezeigt werden, statt
Beim Betreten der Ausstellung fällt sofort die große Rauminstallation „Ohne Titel“ auf, die einem bizarren Traum zwischen „Twin Peaks“ und „Disneyworld“ entsprungen seien kann. Leider verblasst dieser Eindruck beim Betreten dieser. Auch die seriell angelegten Fotoserien „Snowmen“ und „Industrial Motives“ weisen nur bedingt die Spannung und Klarheit von Lynchs filmischen Werk auf. Vor allem letztere Serie könnte locker auf drei exzellente Exponate reduziert werden, selbiges gilt im übrigen für die Epson-Digigraphien, wobei „Emily Scream # 1“ als positives Bespiel heraussticht.
Wobei wir bei den positiven Eindrücken angekommen sind: Sehr gut gefallen haben mir persönlich die Klanginstallationen, die durch die Ausstellung verteilt und an großformatige Gemälde oder an die eingangs erwähnte titellose Rauminstallation angebunden sind. Nach dem Drücken eines Knopfes ertönt aus einem nahegelegenen Lautsprecher eine sehr intensive und beeindruckende Klangcollage, hätte man diesen Aspekt der Ausstellung mehr Raum gegeben. Ein weiteres Highlight ist die im Dorothea-Tanning-Saal gezeigte Kurzfilmsammlung: Vor allem die Filme „The Alphabet“ und „The Grandmother“ – beides Zeiten aus seiner Akademiezeit – zeigen wie Lynch von Beginn an den Spagat zwischen formaler Eindeutigkeit und surrealistischen Exzessen gekonnt meistert. Mehr davon!
